Die andere Ebene

Veröffentlicht am 9. Februar 2026 um 14:35

Wenn du ständig dasselbe erlebst – wenn sich der Mangel, die Mühe oder das Chaos in deinem Leben immer und immer wiederholen – dann hör jetzt auf zu glauben, dass etwas mit dir nicht stimmt. Hör auf zu denken, dass dein Schicksal oder dein Karma es nicht gut mit dir meinen, oder dass du gar selbst schuld bist, weil du irgendetwas nicht „hinbekommst“. Nichts davon ist der Fall.

Dass du immer wieder in die gleichen Sackgassen gerätst, hat nichts mit dir zu tun – jedenfalls nicht so sehr, wie du glaubst. Es hat damit zu tun, in welcher Position oder auf welcher Ebene im Leben du dich befindest oder hineingeboren wurdest. Man kann sich das Ganze wie verschiedene Milieus vorstellen. Das Entscheidende ist: In jeder dieser Ebenen herrscht eine ganz eigene Dynamik. Dort zirkulieren spezifische Probleme, die wie Naturgesetze funktionieren.

Schauen wir uns ein echtes Beispiel an: Max. Max berichtet ständig von denselben Problemen: Die Unzuverlässigkeit der Ämter, das ausbleibende Geld vom RAV, die Miete, die nicht warten kann, und der Berater, der nicht einmal das Telefon abnimmt. Und das alles passiert genau dann, wenn Max durch gesundheitliche Kämpfe sowieso keine Kraft mehr hat. Er fühlt sich vom Pech verfolgt.

Doch die Wahrheit ist: Das sind Probleme, die systemisch in diesem speziellen Milieu existieren. In diesem Milieu ist Chaos kein Zufall, sondern eine Milieu-Dynamik, die das Leid erzeugt – nicht das Individuum, das sich darin bewegt, erzeugt das Leid. Wer in dieser Ebene steckt, kann nur die Luft atmen, die es dort gibt. Und sie schmerzt beim Atmen. Wie bei Max: diese Luft der existenziellen Abhängigkeit, institutionellen Kälte und des Stresses. Die Luft dieses Milieus.

Derselbe Mensch in einer anderen Ebene des Lebens – wenn dort hineingeboren oder er es dahin geschafft – würde unbeeinflusst bleiben vom Geschehen oder Nicht-Geschehen genau derselben Dinge, die Max verzweifeln lassen. Es passiert Max nicht, weil sein Karma schlecht ist oder er als Mensch ungenügend ist. Es passiert schlichtweg, weil er auf dieser Ebene ist – und in dieser Ebene gibt es genau diese Probleme. Das Problem ist nicht das Sein von Max, sondern sein Standort – also die Ebene, das Milieu.

Die Lösung ist es also nicht, sich in Kleinigkeiten zu verlieren oder in Kleinlichkeiten die Lösung zu suchen. „Klein“ deshalb, weil es ganzheitlich betrachtet unbedeutend ist, was der Berater kann oder nicht kann; weil es unbedeutend ist, ob das RAV zuverlässig ist oder nicht. Diese Dinge gewinnen nur an Bedeutung, weil sie auf dieser Ebene, in der Max sich aufhält, diese existenzielle Relevanz haben.

Es ist nicht zu fragen, wer schuld ist – ob die eigenen Eltern es nicht besser hätten machen sollen, ob die eigene Ausbildung nicht eine bessere hätte sein können oder ob man nicht mehr Sport treiben und sich gesünder ernähren sollte, um mehr Energie zu haben. Denn auch wenn man all dies perfekt erreichen oder geradebiegen würde, führt es lediglich dazu, dass man ein wenig anders mit den Problemen dieser Ebene kämpft. Man hat dann vielleicht mehr Kraft, die Wellen aufzuhalten – aber die Umstände auf dieser Ebene werden sich nicht ändern. Unabhängig von Max' Anwesenheit oder Abwesenheit existieren die genannten Umstände aus sich selbst heraus. Es ist eine Eigendynamik; sie existieren nicht, um Max oder dich zu plagen, aber sie plagen jeden, der sich dort aufhält.


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